Grafiken

Von Anfang an hatte der Holzschnitt eine hohe Priorität in meiner künstlerischen Arbeit. Das war sicherlich sehr beeinflusst durch meine  frühe Vorliebe für die Künstler der Brücke, Schmidt-Rottluff und Kirchner und anderer Maler der Zeit. Auch hier konnte ich meiner Lust am expressiven Gestus folgen. Sowohl die Schwarz-Weiß-Drucke wie auch die farbigen Grafiken boten mir immer Gelegenheit, gestalterisch mit harten Kontrasten zu arbeiten.
Bei zunehmender Vertrautheit mit diesem Genre konnte ich aber auch Möglichkeiten finden, eine vorsichtige, fast zarte Annäherung an verschiedene Themen zu erreichen. Die starken Kontraste auch in den großen Formaten – Rot, Schwarz Grüne und Weiß – traten in jüngerer Zeit zurück zu der Serie der Zweige oder zu dem großen, feingliedrigen Schnitt von „Solveigs Lied“.

Solveigs Lied aus der Peer Gynt Suite von Edvard Grieg

Ich war vier Jahre alt, als meine Eltern 1952 mit sechs Kindern aus Kolumbien nach Deutschland zurückimmigrierten. Im Gepäck hatten sie unter anderem einige kolumbianische Schallplatten mit der Sängerin Luch Reyes mit.

Bald nach der Rückkehr wurde meine Mutter mit dem siebten Kind schwanger. Damals und ich glaube, es ist heute immer noch so, wurde dem siebten Kind immer der Bundespräsident als Pate dazu gegeben. Theodor Heuss also wurde Pate einer meiner Brüder. Das Geschenk des Patenonkels waren 100 DM.

Davon kauften sich meine Eltern ein Saba-Radio mit eingebautem Plattenspieler. Fortan konnten die kolumbianischen Platten abgespielt werden, eine Langspielplatte mit dem Klavierkonzert Nr. 1 von Chopin

und die Peer Gynt Suite von Edvard Grieg und hier insbesondere Solveigs Lied.

Während ich nun im Sandkasten spielte und die kolumbianischen Lieder und besonders Solveigs Lied herzzerreißend schon singen konnte, saß meine Mutter mit einem Baby auf dem Schoß oder im Bauch im Sessel neben mir.
Es war mir nicht möglich, mich zu ihrer großen und warmen Brust zu drängeln, denn dort war schon jemand.
So wurde Solveigs Lied immer schon begleitet von unerfüllter und enttäuschter Sehnsucht, von Traurigkeit und Kälte.

Grafiken des Künstlers Jan Schröder

Zweige

Zwischen 2017 und 2019 hab ich eine 18-teilige Serie entwickelt zum Thema „Zweige“. Die Blätter sind auf 300 gr. Bütten, das Blatt hat die Größe von 56 x 76 cm, der Druck 40 x 60cm.

Es war dies ein neuer Aufbruch: weniger Drama, weniger Farbe als bei den vielen Gemälden „Bilder vom Meer“. Es sind andere Formate, andere Formen und andere Farben und vor allem andere Motive, besser gesagt nur noch ein einziges Motiv, den Zweigen, nachgezeichnet nach Fotos aus Baumkronen und in die Druckplatte geschnitten.

Die farbliche Ausführung und  auch die formale Bildgestaltung dieser eher minimalistischen Arbeiten hat Bezug genommen auf eine intensivere

Beschäftigung mit der Musik von Philip Glass. Und der Bezug zur Musik hat in weiteren Arbeiten immer größeren Raum beansprucht.
Das zeigt auch der große Holzschnitt „Solveigs Lied“, der entstanden ist aus Anlass des letzten Kultursommer-Thema „Nordwärts“. Solveigs Lied aus der Peer Gynt Suite hat schon in meiner frühen Kindheit einen prägenden Eindruck hinterlassen. Das Grundgefühl in einer norwegischen Winterlandschaft spiegelt  sich mir ebenso in der Musik der nordeuropäischen Komponisten.

Zeitungstext